Aktuelles
„Jeder Tag ein Abenteuer“

An der Schaubude Berlin präsentieren die Artisanen mit "Ronja Räubertochter" die Geschichte eines jungen Mädchens, das erwachsen wird. … weiterlesen

KINDER KULTUR BÖRSE

Die Crew der Krautsand nimmt Kurs auf Hannover
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Die Schmetterlinge fliegen wieder

Süd BaWü Tour für Stefan und die WERKSTATT DER SCHMETTERLINGE

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Ronja Räubertochter
Die Geschichte hinter Ronja

„Ich schreibe Märchen und die Menschen brauchen Märchen. So war das schon immer. Und so ist es immer noch.“ Das hat Astrid Lindgren gesagt, als Ronja Räubertochter 1981 der Presse vorgestellt wurde.

 

 

Eins der Lieblingsbücher von Astrid Lindgren war „Walden oder Leben in den Wäldern“ von Henry David Thoreau, das davon handelt, wie der Schriftsteller sich eine Blockhütte aus den Materialien des Waldes gebaut und versucht hat, so einfach und einsam wie möglich zu leben, weit weg von der materialistischen Stadtkultur, der er entflohen war. Da Astrid in der Stadt wohnte, konnte sie nicht immer in der Natur sein - außer in ihrer Fantasie. So fing die Geschichte über Ronja an - als eine Sehnsucht nach der Natur.

Für Astrid Lindgren ging es ihr ganzes Leben lang um ein Zusammenleben mit der Natur, das auf kindlicher Intuition und Spontanität beruhte. Sie hat gesagt: 

Neben der Natur und dem Wald gibt es noch andere Themen in Ronja Räubertochter. Das Männliche und das Weibliche treten in der Erzählung deutlich hervor: Ronjas Mutter Lovis hat sich entschieden, dass das Kind ein Mädchen wird, und dass dieses Mädchen ein Räuberhauptmann wird, ist für die beiden Eltern eine Selbstverständlichkeit. Lovis ist eine starke Frau, sie ist eine Lebensquelle und ein Vorbild für Ronja. Ihr Name ist ein Verweis auf die Liebe. Ronjas Vater Mattis wird als das große Kind des Buches beschrieben, während Lovis diejenige ist, die die Männer zur Arbeit anhält, sie bei Bedarf rauswirft und dafür sorgt, dass sie sauber und satt sind. Ronjas Befreiung von ihren Eltern und das klassische Thema des Erwachsenwerdens sind ein weiterer roter Faden in dem Roman, genau wie die Romeo-und-Julia-Geschichte. Die Liebe zwischen Ronja und Birk ist jedoch in erster Linie nicht romantisch, sondern sie betont die Seelenverwandtschaft und das Band der natürlichen Zusammengehörigkeit. Sie „... verbinden sich liebevoll miteinander“, wie Astrid Lindgren es in einem Interview in Zusammenhang mit dem Erscheinen des Buches formuliert hat. Die wichtigste Beziehung in dem Buch ist eigentlich die zwischen Ronja und ihrem Vater Mattis. … weiterlesen

Welttag des Theaters für junges Publikum
Grusswort von Kulturstaatsministerin Claudia Roth MdB zum Welttag des Theaters für junges Publikum
20. März 2022

Kunst für Kinder ist kein Luxus; kein Schokoriegel, auf den sie auch verzichten könnten. Kunst und Theater werden gebraucht, in jedem Alter. Wir brauchen sie, um die Welt und uns selbst verstehen zu lernen. Theater schauen und Theater spielen sind dabei zwei Seiten einer Medaille: Theater erleben, auf der Bühne oder im Zuschauerraum, lässt uns erahnen lassen, was uns zu Menschen macht und wie wir zusammenleben können in einer freien, weltoffenen, emanzipierten, vielfältigen und nachhaltigen Gesellschaft. Die Pande­mie hat vieles davon erschwert oder unmöglich gemacht. In diesem Jahr ist der Welttag des Theaters für junges Publikum deshalb besonders wichtig. Ich bin überzeugt davon, dass Kunst helfen kann, die Wunden, die die Pandemie gerade im Leben von Kindern und Ju­gendlichen geschlagen hat, zu heilen. Kinder brauchen kluge Geschichten und ästhetische Anregungen, um zu wachsen. Junge Menschen sind nicht nur das Publikum von morgen, sondern das von heute: Kinder haben von Anfang an einen Anspruch auf kulturelle Teil­habe in einer demokratischen Gesellschaft. Die Kinder- und Jugendtheater in Deutschland leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Gemeinsam arbeiten wir an der Aufgabe, die Kinder- und Jugendtheater in Deutschland zu stärken. Wir arbeiten an der Vision, dass Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten und Kulturen, über die Schulen und mit ihren Familien, von Anfang an in Berührung mit den Künsten kommen: dass ihnen der Zugang zur Musik, zu bildender Kunst und den wunderbaren Gesamtkunstwerken des Theaters offensteht. Dafür werde ich mich als Staatministerin für Kultur mit ganzer Kraft einsetzen.   

Claudia Roth MdB

Staatsministerin für Kultur und Medien

Claudia Roth ist Schirmfrau für den Welttag des Theaters für junges Publikum 2022 … weiterlesen

Theater im Forum Anne Franks Geschichte als Puppentheater: Zartes Spiel, ernstes Thema

Theater im Forum Anne Franks Geschichte als Puppentheater: Zartes Spiel, ernstes ThemaIm Zentrum steht diese eine Zahl: 761. Es ist die Anzahl an Tagen. die das jüdische Mädchen Anne Frank zwischen 1942 und 1944 in einem versteckten Hinterhaus an der Amsterdamer Prinsengracht 263 zubrachte. Oder bessser: zubringen musste. Sich verkriechen musste mit ihrer Familie vor den Nazi-Horden.

Weil Anne Frank ihre Gedanken in einem Tagebuch niederschrieb, ging ihre Geschichte um die Welt. Und sie bewegt unabhängig vom Format, in dem sie seitdem dargeboten wird – Film, Buch, Theater –, noch immer. Was sich an diesem Abend im Forum einmal mehr zeigt.

Im Studio des Haues gastieren zwei Mitglieder des Artisanen-Theaters aus Berlin und präsentieren zum 80. Jahrestag der Wannseekonferenz, bei der am 20. Januar 1942 die nationalsozialistische Reichsregierung den Massenmord an den Jüdinnen und Juden beschlossen, Anne Franks Geschichte als Puppentheaterstück.

Was sich zunächst unvereinbar und geradezu absurd anhören mag – ein derart ernster Stoff als Bestandteil einer oftmals mit Heiterkeit und kindlicher Naivität assoziierten Form des Schauspiels –, erweist sich als schlüssig, eindringlich und maximal berührend.

Denn Inga Schmidt und Stefan Spitzer, Absolventin und Absolvent der Berliner Schauspielschule Ernst-Busch, zeigen Anne Franks Geschichte gerade dank der Puppen und der Puppenspielkulisse so, dass sie die Zuschauenden – die meisten von ihnen Jugendliche von hiesigen Schulen - berührt. Die Bewegungen der Figuren sind wunderbar zart, wohl bedacht, fein, hoch konzentriert im Zwielicht. Das zusammengewürfelt erscheinende Mobiliar und der kleine Schaukasten im Zentrum der Bühne spiegeln die räumliche Enge des damaligen Verstecks ebenso wie das Gefühl des Eingeengt-Seins, das Anne Frank geradezu auf die Seele gedrückt haben muss.

Nein: Das hier hat nichts mit kindlichem Puppenspiel zu tun. Das hier ist – sicherlich auch wegen der für ein 13-jähriges Mädchen unfassbar tiefgreifenden und mitunter philosophisch-lebenswichtigen Gedanken – emotional schwere Kost. Sie zieht gerade aus dem scharfen Kontrast zwischen Thema und Kunstform ihre Wucht und Eindringlichkeit. Ablesen lässt sich dies an dem Umstand, dass es im Publikum von Sekunde eins an still ist. Und still bleibt. Was bei Vorstellungen vor Schülerinnen und Schülern nicht selbstverständlich ist.

Hier und heute jedoch ist da nichts als tief empfundener Respekt für das Spiel des Mimen-Duos. Und Respekt vor diesem nach wie vor die Welt bewegenden Schicksal eines Mädchens, das am Ende eben doch umkam. Verraten. Entdeckt. Deportiert ins Konzentrationslager. Auf dem Zettel einer Typhus-Erkrankung erlegen. In Wahrheit ermordet von den Nazis.Die anschließende Gesprächsrunde zwischen den jungen Zuschauenden und den Darstellenden dauert entsprechend nicht nur ein paar Minuten. Sie dauert eine habe Stunde, ehe sie allein aufgrund der fortgeschrittenen Zeit beendet wird. … weiterlesen

Neujahrsansprache

Wir hoffen, Ihr seid alle gut ins neue Jahr gehoppelt und wünschen allen Artisanenliebhaber*innen ein fröhliches, beschwingtes und vor allem gesundes Neues. Wir hoffen Euch mit vielen Vorstellungen glücklich machen zu können. Bei uns starten langsam die Proben zu „Ronja Räubertochter“. Das freut uns insbesondere, da wir damit den zweiten Teil nach „Michel in der Suppenschüssel“ von Astrid Lindgrens wunderbaren Büchern ins Puppentheater adaptieren. Und dazu auch noch eine unserer schönsten Kindheitsgeschichten. Also freut Euch, es wird wild!In der zweiten Hälfte des Jahres dürfen wir mit der Compagnie Les Voisins ästhetisches Neuland beschreiten. „Am Anfang“ von Bart Moeyaert erzählt die Schöpfungsgeschichte einmal ganz anders.  … weiterlesen

Frohe Weihnachten

Das Jahr neigt sich dem Ende, die Plätzchen sind vernascht, Weihnachten steht vor der Tür.Es war das Jahr der Turbulenzen und Achterbahnfahrten. Noch nie hat uns ein Jahr wie dieses so auf die Probe gestellt.Aber wir schauen auch zurück auf ein Jahr in dem für die Artisanen große Träume in Erfüllung gegangen sind. Wir hatten das große Glück durch viele Förderungen unser neues Stück „Als die Tiere den Wald verließen“ mit einem großartigem Team zu produzieren und sind darüber sehr glücklich und dankbar.Wir wünschen dem Stück viele viele Zuschauer*innen für die Zukunft.

 

Auch „Baby Dronte“ durfte noch einmal eine „richtige“ Premiere feiern, und das in seiner Heimatstadt Hamburg. Und sogar sein Schöpfer Peter Schössow hat dem Stück seine Schiffstaufe gegeben.

Wenn es die Lage erlaubte, sind wir auf Tour gefahren und haben viele neue Orte und Menschen entdecken dürfen, haben viele schöne Festivals erleben dürfen.Und wir haben viel Solidarität von allen Seiten erfahren in dieser merkwürdigen Zeit. Am schönsten war es aber wieder lachende, gluckernde Kinder live im Zuschauerraum zu erleben.Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns durch dieses Jahr begleitet haben, bei Kolleg*innen, Veranstalter*innen, Freunden, Partner*innen und natürlich bei unserer bezauberndes Publikum. In diesem Sinne wünschen wir Euch eine besinnliche Weihnachtszeit, bleibt gesund und genießt die Tage!

Eure Artisanen … weiterlesen

KRITIK - Als die Tiere den Wald verliessen -

Von Tom Mustroph

An der Schaubude Berlin wird die Natur wiederentdeckt: „Als die Tiere den Wald verließen“ und „Pantoffeltierchen und Meteoriten“ bringen Ökologie und Wissenschaft auf die Bühne des Objekttheaters.

Ja, ja, die Nachhaltigkeitsdiskurse nehmen immer mehr Fahrt auf, auch in der Kunst. Neue Förderprogramme für diese Thematik zeichnen sich ab. Und unabhängig davon beschäftigen sich Künstlerinnen und Künstler aus eigenem Antrieb mit den fragilen Verfassungen von Biotopen und Ökosystemen. Anhand zweier Produktionen des Festivals Theater der Dinge 2021 der Berliner Schaubude konnte man diesen Nachhaltigkeits-Turn in den Darstellenden Künsten gut beobachten.

Migrationsdrama der Waldtiere

„Als die Tiere den Wald verließen“ des Berliner Puppenspieler-Duos Artisanen stellt sich dabei als hoch emotionales Migrationsdrama von Waldtieren heraus. Sie müssen ihr angestammtes Habitat verlassen, weil die Menschen die Bäume fällen und den Wald vernichten. Aus Perspektive einer Eule wird erzählt, wie deren Heim, eine Baumhöhle, bebt, wackelt und schließlich die Abwärtsreise antritt und der große Vogel nicht nur traumatisiert, sondern zugleich auch noch obdachlos wird. Zwei Hamster berichten, wie der Beton der Flächenversiegelung sich durch die Gänge ihres Baus frisst und diesen ebenfalls unbewohnbar macht.

Die Artisanen Inga Schmidt und Stefan Spitzer stellen dieses Geschehen auf hybriden Bühnen dar. Drei Säulen hat Bühnenbauer Christof von Büren entwickelt. In einem von ihnen gibt es einen Schaukasten, der zu Beginn der Aufführung Miniaturbäume enthält. Diese werden per Hand umgelegt. Projizierte Bilder einer Videokamera werfen das Geschehen um ein Vielfaches vergrößert – und dabei sehr realistisch anmutend – auf die Fläche einer benachbarten Säule. Die Waldtiere selbst tauchen in zwei Erscheinungsformen auf: Als finger-kleine Spielzeugwesen, die Spitzer auf einer Kreisbahn positioniert und durch sukzessives Verschieben der Figurengruppe in Uhrzeigerichtung den Fortgang der Geschichte anzeigt. Die zweite Erscheinungsform der Tiere sind hand- bis arm-große Puppen, die mal von Schmidt und Spitzer solistisch, mal von beiden gemeinsam bewegt werden. Am eindrucksvollsten stellen sich dabei der Flug einer Eule und der rasende Lauf einer Füchsin heraus.

Gute Balance verschiedenster Erzählformen und Medien

Als Anführer und Leitfigur der Waldtiere, als deren Moses im Wald-Exodus also, wird ein bezaubernd naturalistisch gestalteter Dachs eingesetzt (Puppenbau: Mechtild Nienaber). Er initiiert das Treffen der Waldtiere. Er schleppt auch tapfer den langsam schleichenden Maulwurf über weite Strecken. Die Artisanen lassen ihre Figuren mal solistisch erzählen, fügen sie aber auch zu Gruppen zusammen. Passagen der Flucht sind per Video festgehalten (Videodesign Kai Wido Meyer). Da sieht man manchmal nur Landschaften, beobachtet aus einer Perspektive kurz über der Grasnarbe. Zuweilen sind dort auch die Tierfiguren platziert, neben den bereits genannten noch ein Otter und eine Kröte. Dabei werden alle drei Säulen als Spielflächen benutzt.

Actionszenen sind integriert (Dramaturgie: Schaubudenchef Tim Sandweg), etwa wenn eine Feuersbrunst umgangen oder eine Schnellstraße gekreuzt werden muss. Opfer gibt es dabei auch. Die Gemüter der Zuschauer*innen müssen einiges aushalten. Für versöhnliche Szenen sorgt der Abend aber auch. Der Schwur der im realen Waldleben durchaus feindlich zueinander eingestellten Protagonist*innen, sich während der Flucht mal nicht zu verspeisen, rührt an jedes Herz, das noch an Gemeinsinn glaubt. Intensiv sind immer wieder die Klangmomente (Sounddesign: Moritz Schwerin). Überhaupt fällt diese Inszenierung von Franziska Dittrich (Gründungsmitglied der wie die Artisanen aus dem Puppenspielbiotop der Hochschule Ernst Busch hervorgegangenen Retrofuturisten) durch den so souveränen wie gut ausbalancierten Einsatz verschiedenster Medien und Spielformen auf.

„Als die Tiere den Wald verließen“ erweist sich auch ästhetisch als Modellstück zum Thema Folgen des Abholzens.

 

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